Alte Post

Die Geschichte der Post in Deining

Vor über 340 Jahren, im Jahre 1663, wurde ein Reitpostkurs auf der Strecke Nürnberg – Regensburg gegründet und in Deining eine Reichsposthalterei für den Pferdewechsel eingerichtet. Zum kaiserlichen Posthalter wurde der Wirt des Gasthauses "Zur goldenen Ente", später "Zur Post" an der Hauptstraße ernannt. Wer das damals war, ist nicht bekannt. Erst dreizehn Jahre später, am 24. November 1676, findet sich ein Eintrag in den Kirchenbüchern der Pfarrei Deining, daß der Wirt und Postmeister Rochus Schuster aus Deining, seine Tochter mit Hans Eichenseer, dem Sohn von Balthasar Eichenseer vom Richterhof im Lupburgischen Herrschaftsgebiet, verehelichte. Dieser Rochus Schuster muß als Wirt ein geschäftstüchtiger Mann gewesen sein, denn er steht in diesen Kirchenbüchern bis 1696 allein 32 mal als Trauzeuge vermerkt. Wahrscheinlich sicherte er sich so das Hochzeitsmahl für sein Gasthaus.

Alte Post um 1850 (Gasthaus Feihl)

Sein Nachfolger wird 1705 sein Schwiegersohn Hans Eichenseer, der als kaiserlicher Posthalter ein Jahresgehalt von 150 Gulden bezog. Dies ist in einer Aufstellung des Nürnberger Postmeisters Matthäus Braun von 1706 über die ihm unterstellten Posthaltereien zu lesen, in dem der Ort "Teinigen" als Pferdewechselstation für den Postwagenkurs Nürnberg - Regensburg ausdrücklich genannt wird. Dieser Postwagenkurs verlief früher nicht dort, wo heute die B 8 ist, sondern von Regensburg aus das romantische Tal der Schwarzen Laaber entlang über Deuerling, Laaber, Beratzhausen, dann über Parsberg, Eichenhofen, hinunter nach Deining und weiter über Neumarkt und Postbauer nach Nürnberg.

Wie lange Hans Eichenseer seinen Dienst tat, ist nicht überliefert. Auch die Kirchenbücher geben nur teilweise Auskunft, da sie in den Jahren 1723 bis 1794 starke Brandschäden durch Kriegseinwirkungen aufweisen und nur teilweise lesbar sind. Am 4. Dezember 1739 leistet jedenfalls ein Stephan Götz seinen Diensteid an den inzwischen zum Reichspostgeneralunternehmer gelangten Fürsten Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis in Regensburg. Dieser Stephan Götz war noch in Diensten, als 1745 ein großes Ereignis eintrat:

Eine Kaiserin zu Gast

In einem Schreiben des österreichischen Staatsarchiv heißt es: "... bei der erwähnten Reise Ihrer Majestät der Kaiserin Maria Theresia kann es sich nur um die Fahrt zur Krönung ihres Gemahls des Kaisers Franz I. nach Frankfurt im September 1745 handeln." In dem Protokoll ist auch vermerkt, daß die Orte "Regensburg, Laaber, Parsberg, Theining, Postbauer und Nürnberg" als Pferdewechselstationen vorgesehen waren. So war also auch in Deining ein Aufenthalt notwendig, in denen sich Ihre Hoheit erfrischen konnte von der damals noch recht staubigen Reise. Sicher eine riesige Aufregung im Haus "Zur Post", zumal, wie es in dem Schreiben weiter heißt, "... dass seitens der Pfalz-Neuburgischen Regierung abgeordneten Herren Stände des Ober- und Unterlandes Ihr unterthänigste Ovationen und Aufwartung gemacht wurden und die im Beisein einer zahlreichen Menge des Landvolkes aus den herumliegenden Dorfschaften zum Handkuß gelassen wurden." Die Reise begann morgens um 6 Uhr in Regensburg, der Einzug in Nürnberg war für 6 Uhr abends vorgesehen. Also 12 Stunden Fahrt mit vier Pferdewechsel für eine Strecke, die man heute über die Autobahn bequem in einer Stunde schafft.

Eine stolze Posthalterei

Im Jahre 1751 ist Johann Feihl kaiserlicher Reichsposthalter, er ist verheiratet und hat acht Kinder. Er besitzt das Posthaus, welches zugleich Gasthaus ist, sowie einen angrenzenden Bauernhof mit Feldbau, Wald und fünf Weihern. Er war schon von Sr. Durchlaucht Fürst Alexander von Thurn und Taxis am 15. November 1751 vereidigt worden, erhielt aber sein Patent erst am 31. Juli 1773 von Fürst Anselm und mußte auch noch 25 Gulden nach Nürnberg für das Dekret entrichten.

In dieser Zeit werden bei der kaiserlichen Posthalterei in Deining drei Postknechte und ein Beiläufer beschäftigt. In den Ställen stehen 13 gute und starke Pferde, sowie zwei halbgedeckte und zwei offene Kaleschen und ein Postkarren. Der Posthalter bekommt alle zwei Jahre von dem "löblich-kaiserlichen Reichsoberpostamte" in Nürnberg zwei Röcke, zwei Hüte und zwei Couriers-Röckchen gratis. Es ist die Blütezeit des Gasthauses "Zur Post" mit seinen Fremdenzimmern. Wie wichtig das Gebäude war, ist auch heute noch an dem Walmdach zu erkennen. So eine Dachform durften früher nur Schlösser und hochherrschaftliche Gutshäuser haben. Auch die Innenausstattung der Räume mit Stuckdecken und großen Fenstern läßt auf die Bedeutung des Hauses schließen. Es gehörte neben dem Schloß und der Brauerei zu den prägenden Bauten im damaligen Deining.

Ein Auszug aus einem Thurn und Taxischen Revisionsbericht, vermutlich aus dem Jahre 1782, gibt Auskunft über das damalige Postwesen: "Bericht wie und zu welcher Zeit die kaiserlichen Reichsjournaliere zu Deining anzukommen und abzugehen pflegen: Alltäglich nachts zwischen 10 und 12 Uhr, Donnerstag und Montag aber noch später, kommt an über Neumarkt und Postbauer die Nürnberger Journaliere und geht nach ein Viertelstund über Taßwang nach Regensburg ab. Alltäglich früh zwischen 4 und 5 Uhr kommt an über Taßwang die Regensburger Journaliere und geht nach ein Viertelstund über Neumarkt und Postbauer nach Nürnberg ab. Donnerstag, à parte, abends zwischen 7 und 8 Uhr kommt auch von Beulengries die Ordinaire an, bleibt über Nacht in Deining und geht Frytag wieder nach Beulengries retour ab. Nota: Diese Ordinaire bringt und nimmt die Briefe von Beulengries, Plankstetten, Berching und mehreren Ortschaften mit. Specificato deren um Deining liegenden Ortschaften, von welchen und an welche Briefe von Deining und an Deining auf- und abgegeben werden können."

Postverkehr mit Hindernissen

1808 gehen die taxischen Postanstalten an die königlich-bayerische Verwaltung, auch Deining wird als Postexpedition übernommen. Dann kommt 1809 der napoleonische Krieg und der Postkutschenverkehr zum Erliegen. Robert Staudenraus aus Nürnberg schreibt im Archiv für Postgeschichte in Bayern: "Am 28.4.1809 kam der erste Postwagen, den Nürnberg seit dem 10.4. wieder über Neumarkt nach Regensburg absenden konnte, nach einer Mitteilung des Postkommissärs und Legationsrates von Lindheimer glücklich in Regensburg an." Erst am 3.5.1809 wurde der erste Postwagen in umgekehrter Richtung abgesandt und erreichte unbeschadet Nürnberg. Die Postkondukteure wurden jedoch angewiesen nur am hellen Tage zu fahren, da in den Wäldern noch immer versprengte österreichische Truppenteile waren und die Gegend unsicher machten.

1810 wird der Poststall mit seinen Pferden nach Neumarkt verlegt und Deining eine Relaisstation. Durch eine Umorganisation kam 1817 das Postamt Neumarkt, als auch Deining, nach Regensburg, jedoch nach einer allerhöchsten Verordnung vom 12. Juni 1834 wieder zurück zum Oberpostamt in Nürnberg.

Am 1. Juni 1841 wird Deining in eine Poststelle umgewandelt, mit Brief- und Fahrpostdienst für die Zustellbezirke Großalfalterbach, Kleinalfalterbach, Oberbuchfeld, Unterbuchfeld, Deining, Döllwang, Freihausen, Günching, Harrenzhofen, Holnstein, Lengenfeld, Leutenbach, Mittersthal, Pirckach, Roßthal, Siegenhofen, Thann, Velburg, Waltersberg und Winnberg.

Aus dieser Zeit finden wir auch folgende Einträge von Ereignissen im Amtsblatt aus Regensburg:

1837: Für den am 31. März 1837 abgebrannten PE Schöfer in Feuchtwangen liefert der Kgl. Posthalter Feihl in Deining einen Betrag von 2 fl 42 kr ab.

1840: Postillon Hofmann (Vorname unbekannt) im Dienst bei der Posthalterei in Deining wird wegen rohen Benehmens gegen einen Kondukteur aus dem Dienst entlassen.

1840: Postillon Schrafl der Poststelle in Deining wird wegen Schlafens im Dienst aus dem Postdienst entlassen.

1851: Eine einmalige Belohnung von 12 fl erhielt der Postillon Johann Fersch in Deining für lange Dienste.

Die Post schrumpft

Vom 12. Dezember 1859 an (Eröffnung der Eisenbahnstrecke Landshut - Regensburg – Hersbruck) werden die pferdebespannten Eilwagen zwischen Nürnberg und Regensburg eingestellt. Zwischen Regensburg und Neumarkt verkehrt jetzt täglich ein Postomnibus mit Anschluß nach Nürnberg, Fahrzeit 12 Stunden. Als nach der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Nürnberg - Regensburg im Jahre 1871 der Zug nur noch vier Stunden für diese Strecke braucht, werden die Busse auch eingestellt. Es gibt nur noch sogenannte "Cariolfahrten" Zwischen Deining Markt und Deining Bahnhof, vier mal am Tag zu den Zügen. Eine Personenbeförderung ist dabei nur sehr eingeschränkt möglich.

1888 wird in Deining unter der Rufnummer 223 eine Telegraphenstation eingerichtet. Über die Vermittlung in Regensburg kann man jetzt mit aller Welt telefonieren, allerdings mit langen Wartezeiten für den entsprechenden Anschluß. Die Bedeutung der Poststelle jedoch sinkt, da in allen größeren Orten ebenfalls Amtsstellen entstehen und den Zustelldienst übernehmen. Etwa um 1900 zieht die Post dann um in das Haus Deining Nr. 38 von Georg Simson, erbaut im Jahre 1886. Ursprünglich war dort ein Kramerladen, er wird zur Poststelle umgebaut und Simson, der am 3. Juni 1854 in der Roßamühle geboren wurde, war erster Poststellenleiter. Als er aus gesundheitlichen Gründen im Jahr 1914 in den Ruhestand geht, übernimmt sein Schwiegersohn, Josef Solleder, die Poststelle als "Postbetiebswart". Das Haus "Zur Post" blieb als Wirtshaus im Besitz der Familie Feihl bestehen.

Im September 1949 wird das Postamt Deining in zwei helle, ineinandergehende Räume mit Schalterplatz und Fernsprechzelle umgebaut. Die Kosten hierfür muß der Besitzer des Hauses, Herr Josef Solleder, durch Aufnahme eines Darlehens selbst übernehmen. In dieser Zeit tritt auch der Sohn, Herbert Solleder, seine Ausbildung bei der Post an und ist zunächst in Neumarkt tätig. 1959 wird er zum Postschaffner ernannt und übernimmt mit seiner Frau im Juni 1962 die Leitung des Postamtes in Deining. Bald beginnt jedoch eine große Sparaktion bei der Post, der schließlich auch das Postamt Deining im September 1996 zum Opfer fällt, heute ist der "Blumenladen Deining" dort zuhause. Die Postagentur ist in die Tankstelle umgezogen und wird vom Besitzer betreut.

Alte Post um 2000, vor der Sanierung


Das stolze Wirtshaus "Zur Post" wird vernachlässigt und schließlich verkauft. Der neue Besitzer lässt die Wirtschaftsgebäude abreißen und baut moderne Wohn- und Geschäftsgebäude, nur das Wirtshaus wird unter Denkmalschutz gestellt und baulich gesichert. Zur Zeit wird es von privater Seite mit Hilfe der Gemeinde und Mitteln aus dem Städtebau-Förderprogramm saniert.

Aus Archivunterlagen von Frau Solleder, Deining,
Bayer. Hauptstaatsarchiv München Pa 9/38
Fürstl. Thurn u. Taxisches Zentralarchiv Regensburg, Akt Deining
Archiv für Postgeschichte in Bayern, Jg. 1968, Nr. 1, S.132
Ausgearbeitet von Ingmar Nowak, im Juni 2004


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